Diabulimie: Eine unterschätzte Essstörung bei Diabetikern

Diabulimie ist eine spezielle Form der Bulimie, die bei Diabetikern auftreten kann und sehr gefährlich ist. Hier erfahren Sie, was Diabulimie ist, wie sie entstehen kann und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Was ist Diabulimie?

Das Wort „Diabulimie“ setzt sich aus „Diabetes“ und „Bulimie“ zusammen. Bulimie wird manchmal als Ess-Brech-Sucht bezeichnet – doch eigentlich ist das nicht richtig, denn das absichtliche Erbrechen ist nur eine mögliche Form, wie Bulimiker ihre Essattacken kompensieren.

Menschen mit Diabulimie spritzen sich bewusst zu wenig Insulin, obwohl sie auf den Wirkstoff angewiesen sind. Dadurch wollen sie verhindern, dass sie zunehmen. Wie andere Menschen, die unter einer Essstörung leiden, haben Diabulimiker Angst davor, dass ihr Gewicht auf der Waage steigt. Oft leiden sie unter einer verzerrten Wahrnehmung ihres eigenen Körpers oder machen ihr Selbstwertgefühl von ihrem Körpergewicht und ihrer Figur abhängig.

Wen kann Diabulimie treffen?

Essstörungen können sowohl Frauen als auch Männer treffen. Auch beim Alter gibt es keine Beschränkung. Oft beginnt Diabulimie jedoch im Jugendalter. Besonders häufig wird die Essstörung bei Mädchen und jungen Frauen festgestellt. Da diese spezielle Form der Bulimie darauf beruht, dass sich insulinpflichtige Diabetiker zu wenig Insulin spritzen, betrifft Diabulimie vor allem Typ-1-Diabetiker.

In Deutschland leiden etwa 350.000 Menschen unter Diabetes vom Typ 1. Jeder dritte leidet Schätzungen zufolge unter einer Essstörung – das entspricht umgerechnet insgesamt rund 116.700 Menschen, die Diabulimie oder eine andere Essstörung haben.

Die individuellen Ursachen und Auslöser können sehr verschieden sein. Einige Betroffene verarbeiten auf diese Weise Minderwertigkeitsgefühle und Ängste oder reagieren damit auf äußeren Druck. Die Ursachen können einen klaren Zusammenhang zu Schönheitsidealen und dem Essverhalten aufweisen – ebenso ist es jedoch möglich, dass die Ursachen in Depressionen, Missbrauch, Vernachlässigung oder anderen psychischen Gründen zu suchen sind.

Warum ist Diabulimie gefährlich?

Diabulimiker leiden unter Essattacken. Um eine Gewichtszunahme zu verhindern, spritzen sich die Betroffenen zu wenig Insulin. Dadurch erhöht sich das Risiko für Diabetes-Komplikationen, die infolge eines erhöhten Blutzuckerspiegels auftreten können. Betroffene können bei einer schweren Unterzuckerung beispielsweise ins Koma fallen. Diabulimie ist somit auch potenziell tödlich.

Darüber hinaus können die Nieren und das Herz unter der Stoffwechselentgleisung leiden. Auch bestimmte Augenkrankheiten können sich infolge des sogenannten Insulin-Purgings manifestieren, zum Beispiel die diabetische Retinopathie, bei der die Blutgefäße in der Netzhaut Schaden nehmen.

Viele Menschen glauben, dass eine Person untergewichtig sein muss, um eine Essstörung zu haben. Das trifft auf die Diabulimie jedoch nicht zu. Die meisten Bulimiker sind normalgewichtig oder sogar übergewichtig.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie unter Diabulimie leiden, sollten Sie einen Arzt darauf ansprechen. Eine Psychotherapie kann dabei helfen, die Essstörung unter Kontrolle zu bringen. Wenn der Psychotherapeut eine Kassenzulassung besitzt und bei Ihnen eine Essstörung oder eine andere psychische Krankheit diagnostiziert, übernimmt in Deutschland die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung.

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